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Na, wann ist es denn so weit? – Perspektiven aufs Kinderkriegen

Na, wann ist es denn so weit? – Perspektiven aufs Kinderkriegen published on 6 Kommentare zu Na, wann ist es denn so weit? – Perspektiven aufs Kinderkriegen

Alle Autorinnen dieses Blogs sind bisher keine Eltern, doch alle haben wir uns schon mit dem Thema Kinderkriegen befasst. Nicht immer ganz freiwillig, muss dazu gesagt werden, denn vielfach wird gesellschaftlich erwartet, dass jede Frau* auch was zum Thema Kinder zu sagen hat. Im Grund wird sogar erwartet, dass jede Kinder mag und früher oder später auch welche bekommen möchte.
Fakt ist aber: Nö.
Wir haben uns aus unseren persönlichen und teilweise sehr unterschiedlichen Perspektiven Gedanken zum Thema Kinderkriegen gemacht. Wenig überraschend ist die Frage nach dem „ob“ gar nicht mal die einzig entscheidende.

schoolBones

Ich will keine Kinder. Diese Erkenntnis war für mich wie ein Befreiungsschlag. Allerdings komme ich mir als kinderlose Lesbe unglaublich privilegiert vor, weil mich die typischen Benachteiligungen berufstätiger Frauen* (Doppelbelastung etc.) nicht betreffen: Keine Kinder, um die ich mich kümmern muss; kein Mann, für den ich den Haushalt machen muss und der mich in der Karriere überholt. Andererseits bin aber auch ich auf ein Leben hauptsächlich als Hausfrau und Mutter vorbereitet bzw. dahingehend erzogen worden (typisch für die Gegend und die Schicht, aus der ich stamme) – was bedeutet, dass ich viel zu spät in Sachen Karriere durchgestartet bin. Deshalb kenne auch ich das Gefühl, schon im Kindes- und Teenageralter die spätere Mutterrolle mitzudenken: frau braucht nur einen Halbtagsjob etc., weil sie sich hauptsächlich um die Familie zu kümmern hat.
Es hat mich lange Zeit bedrückt, dass ich keine Kinder haben werde (Samenspende war für mich nie eine Option), weil mir beigebracht wurde, dass das schließlich zu einem „richtigen“ Frauen*leben dazu gehört. Ich hatte immer Angst, dass ich mich selbst belüge, wenn ich mir sage, dass ich gar keine Kinder will – so eine Art Schutzbehauptung. Phasenweise hat sich bei mir dann als Abwehrhaltung eine Art Hass gegenüber Kindern und aller damit verbundenen Themen aufgebaut. Seitdem ich mit den Kindern von Freund*innen und Bekannten konfrontiert bin und diese auch hin und wieder betreue, sind mir zwei Dinge klar geworden: Ich hasse sie weniger als ich dachte – und ich will trotzdem keine.

Tugendfurie

Ich bin jetzt 25 und mein Papa hat schon vor zwei Jahren zum ersten Mal durchblicken lassen, dass er Enkelkinder gar nicht verkehrt finden würde. Ich bin in dem Alter in dem (wie @marthadear es letztens im Gespräch treffend formulierte) „mein Uterus am Kaffeetisch verhandelt wird“. Die Frage, ob ich Kinder möchte, ist eigentlich gar nicht komplex genug. Ich möchte Kinder. Die Fragen sind vielmehr: Wann? Wo? Wie? Mit wem?
Für mich stand eigentlich immer fest, dass ich gerne Kinder haben möchte, genauso stand aber auch fest, dass ich ein Studium und einen Beruf will, der mich erfüllt. Derzeit bin ich an einem Umbruchspunkt in meinem Leben: Ich bin seit zwei Monaten mit dem Studium fertig und vor drei Wochen ans andere Ende Deutschlands gezogen, um hier einen Job zu finden.
Für mich sind gerade ganz grundlegende Fragen relevant: Wo werde ich in drei Monaten wohnen? Wovon soll ich leben? Finde ich einen Job, der mich ernähren kann? Ich denke über meine berufliche Zukunft nach, aber auch über mein Privatleben. Dazu kommt, dass ich derzeit sehr viel an Projekten beteiligt bin, politisch Dinge bewege und das alles auch weiter tun möchte.
Meine Freund*innen sind teilweise schon lange Mütter oder gerade schwanger, ich bin sehr stolze Patentante. Kinder spielen in meinem Leben eine Rolle und ich würde mir wünschen, dass auch eigene einen Platz finden. So einfach ist das aber eben nicht.
Für 2014 habe ich mit Freundinnen erstmal einen „Nicht-schwanger-werden-Pakt“ geschlossen und mir eine „Pille danach“ aus dem Ausland mitbringen lassen 😉

Weird

Für mich war es früher immer klar, dass ich Kinder haben werde, das stand quasi gar nicht zur Debatte. Ich habe erst in den Mittzwanzigern angefangen, überhaupt bewusst darüber nachzudenken und zu prüfen, wieviel davon eigener Wunsch ist und wieviel gesellschaftliche Norm. Dabei kam für mich heraus, dass es kein Herzenswunsch ist, dass ich es mir aber durchaus vorstellen kann – „später“. Inzwischen bin ich 34 und kann mir vage vorstellen, innerhalb der nächsten Jahre vielleicht ein Kind zu haben. Aber mich verstört der Gedanke daran, ein Kind auf die Welt zu bringen – und ein Kind zu stillen. Das wurde mir erst so richtig klar, als ich vor etwa einem Jahr einen Artikel einer Redakteurin las (den ich leider nicht wiedergefunden habe), die sich gegen das Stillen entschieden hat. Plötzlich machte sich eine Erleichterung in mir breit. Aber der Gedanke an das Austragen und zur Welt bringen erfüllt mich weiterhin mit Unbehagen bis Schrecken. Dazu kommen die üblichen Schwierigkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren. Ich habe lange studiert, bin dafür schon relativ alt und habe beruflich bisher nicht Fuß gefasst, das ist nicht der beste Zeitpunkt. Das Thema beschäftigt mich immer mal wieder und ich schwanke derzeit zwischen „och ja, warum auch nicht?“ und „OMG, niemals!“.

TQ

Als ich klein war, hasste ich Kinder. Mich selbst nicht, ich fühlte mich ja schon richtig erwachsen. Eigentlich immer, zumindest im Vergleich zu meinen zwei jüngeren Brüdern. Ich wollte nie am Kindertisch sitzen, nie mit Jüngeren spielen.
Später änderte sich meine Einstellung zu Kindern. Kinder waren das, was man bekam, wenn man beim Sex nicht verhütete. Kinder waren ein Zeugnis dafür, dass einer ihr eigenes Leben nicht wichtig genug war, weil sie ihr Leben, ihre Karriere für ihre Kinder „aufgab“. Männer betraf das höchstens indirekt, was mir ungerecht vorkam und mich wütend machte. Die Politik tat in den vergangenen zehn Jahren für Frauen meiner Lebensrealität weniger als nichts, um Beruf und Kinder vereinbar zu machen, und so blieben Kinder für mich – ein Makel.
Inzwischen bin ich 34. Ich müsste so langsam an Kinder denken, wie auch meine (Schwieger)Mütter mich wissen lassen, ich fühle mich aber mit dem Gedanken sehr alleine gelassen. Und doch wächst die Wut auf die, die mir diktieren wollen, ob und unter welchen Voraussetzungen ich Kind und Karriere gemeinsam verwirklichen kann. Ich bin kurz vor: „Ihr* könnt mich mal! Da, jetzt bin ich schwanger!“

6 Kommentare

Ich gestehe, dass meine erste Reaktion als Mann hier war: „Aber das Thema betrifft mich doch auch, ich muss mich doch auch damit auseinandersetzen, ich muss doch auch was dazu sagen.“ Klar, stimmt alles. Klar aber auch: Die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft bedeutet automatisch, dass dieses Thema für Frauen* nochmal ganz anders aufgeladen ist als für uns Männer.

Danke an euch vier für die schön differenzierten Überlegungen zum Thema, und vielleicht gibt’s ja eine Erkenntnis für alle Männer, Schwiegereltern, interessierte Freund*innen: Die Frage nach dem Kinderwunsch ist niemals einfach nur höfliches Interesse, da hilft auch kein „ich wollt ja nur mal fragen, ich wollt doch keinen Druck aufbauen.“ Die oder der einzige, der hier überhaupt fragen darf, ist Partner*in, und selbst dabei ist ein sensibler Umgang mit dem Thema doch wohl nicht zu viel verlangt.

Hallo,
danke fuer den text und eure Sichtweise zu dem Thema.
Kommt mir alles sehr bekannt vor ;). Meine momentane Schlussfolgerung ist, wenn mir jemand in ein paar Jahren ein „fertiges“ Kind von ca. 2 Jahren vor die Tuer stellt, dann koennte ich mich evtl. damit anfreunden (ausser ich habe bis dahin meine Erfuellung in der Arbeit gefunden und es laesst sich garnicht arrangieren). Sonst finde ich Babies immer noch nicht suess und niedlich und ich habe definitiv ein Trauma was diese Baby-Geburts-Sendungen angeht und bei der Vorstellung selber eins zur Welt zu bringen wird mir eher uebel.
Eine Freundin fragte mich neulich, als ich ihr von den Schwangerschafts-News einer anderen Freundin erzaehlt habe: „Und was weckt das in dir fuer Gefuehle?“. Gute Frage… Die Antwort ist: eher etwas erstaunen und verwunderung und ganz bestimmt kein Neid oder das Beduerfnis jetzt auch dringend eins haben zu muessen.
Das Problem ist nur dass man das Kinderkriegen nicht beliebig lange in die Zukunft verschieben kann. Aber vielleicht ist das hier zumindest etwas hilfreich um diesen „Druck“ zu entgehen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gefrorene-eizellen-jan-fleischhauer-ueber-social-freezing-a-981095.html

Da mir das Thema momentan zu schaffen macht, auch ein paar Worte von mir. Danke für eure Beiträge, welche mir das Gefühl geben, nicht ganz allein mit meiner Meinung da zu stehen.

Sehr schön ist der Satz: „mein Uterus am Kaffeetisch verhandelt wird … “ Anfangs war es nur die lautere Verwandtschaft die auf kleine süße putzige Babys hoffte. Mittlerweile bin ich aber auch im Freundeskreis die letzte ohne Kinder und auch da machen sich diese Bemerkungen breit. Die Familie ist eine Sache, aber das trifft mich schon härter und es macht wütend. Das tut sich eher der Bedürfnis nach Nasenstüber anstatt nach Babyknuddeln auf. So wie ich hier sitze, möchte ich keine Kinder. Nein, ich finde Babys nicht süß, sie sind stressig, laut, quengelig und meistens vollgesabbert.

Ob sich die Einstellung die nächsten Jahre ändert? Keine Ahnung, warten wir es ab, auch wenn das Alter einem irgendwann einen Schlusstrich setzt. Menschen gibt es auf diesem Planeten wirklich genug. Aussterben werden wir nicht so schnell. Ich glaube also nicht, dass ich als Frau hier irgendeine eilige Pflicht zu erfüllen habe, auch nicht für Verwandte, die so gerne süße Knuddelbabys haben wollen.

Schöner Text! Zeigt doch mal wieder, wie individuell und persönlich der ganze Sachverhalt ist. Gerade heutzutage gibt es einfach keine Schablone, die auf alle Menschen passt, die nichts außer ihrem Geschlecht teilen.
Ich habe (hoffentlich nur „noch“) keine Ausbildung, stehe finanziell nicht auf meinen eigenen Beinen und bin auch psychisch eher in suboptimaler Verfassung . Als 28jährige in einer mittlerweile fast 8jährigen Beziehung muss ich mir allerdings, trotz Versagertums, die blöde Frage u.A. auch von Fremden gefallen lassen und es ärgert mich. Zum Einen, weil mein Partner und ich vielleicht gerne eines hätten, das in der aktuellen Situation aber nicht geht (quasi „Hallo! Ich bin gekommen um in deinen Wunden zu bohren!“)und zum Anderen will ich einfach nicht von Familie,Verwandten, Bekannten und Fremden über mein Sexualleben befragt werden. „Und wie sieht es bei euch mit Kindern aus?“ ist die höfliche Umschreibung für „Fickt ihr denn bald ungeschützt?“.

Aber mein Freund wird NIE gefragt! Das Frauen in dieser Hinsicht eine Sonderrolle haben ist anscheinend so stark verankert, dass letztens sogar seine dreijährige Nichte ausgerechnet mich vor der versammelten Familie fragte, warum wir denn keine Kinder haben und wann wir welche bekommen. Kinder sind für Rollen in dem Alter ja außerordentlich sensibilisiert.

Ich bin 28 und glücklich kinderlos.

– ich denke nicht, dass ich es jemals bereuen werde.
– ich wäre wahrscheinlich keine gute Mutter, aber das ist auch okay.
– ich finde Kinder ganz nett, aber sie gehen mir auch schnell auf die Nerven (vor allem wenn sie anfangen zu schreien…). Ich hatte schon öfter im Alltag mit (kleinen) Kindern zu tun, daher denke ich, dass ich das gut einschätzen kann, wie ich darauf reagiere.
– die biologischen Aspekte (Schwangerschaft, Geburt) finde ich grauenhaft.
– ich bin weder finanziell (beruflich) noch emotional/psychisch annähernd stabil genug für diese Aufgabe.
– Kinder sind kein Garant für „Glück“ und auch kein Garant dafür, im Alter nicht allein zu sein.
– 8 Millarden Menschen auf diesem Planeten ist mehr als genug (dito @wurzel).

Just my 2 cents 🙂

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