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Kontext zu Rassismus: Rassismus im Kontext

Kontext zu Rassismus: Rassismus im Kontext published on 43 Kommentare zu Kontext zu Rassismus: Rassismus im Kontext

jenesuispascharlie

[CN für alle Links: Rassismus] Frankreich trauert. Europa, die Welt, wir alle trauern um zwölf Menschen. Das Massaker an den Redakteuren von Charlie Hebdo ist ein abscheuliches Verbrechen, eine Tat, die keine Rechtfertigung kennt. Die Morde sind furchtbar, schrecklich, widerlich. Es gibt kein Drumherumreden.

Dennoch bin ich nicht Charlie. Ich trauere um die Toten, aber ich will mich nicht mit einem Satireblatt identifizieren, das allzu oft Rassismen und Islamophobie reproduziert hat. Seit ich diese Tendenzen benenne, wird mir unterstellt, ich wäre irgendwie auf der Seite der Attentäter. Ich würde „victim blaming“ betreiben. Nele Tabler ärgerte sich so sehr über Menschen, die der Meinung sind, Charlie Hebdo könnte mit einigen Bildern Rassismus reproduziert haben und sei deshalb nicht vollkommen unkritisch zu lesen, dass sie einen Blogbeitrag dazu schrieb. Darin schreibt sie:

Obwohl ich schon seit vielen Jahren keine Ausgabe von Charlie Hebdo mehr in der Hand hatte, befindet sich unter den Beispielen auch eine Karikatur, die ich nicht nur kenne, sondern die sogar in meinem Arbeitszimmer an der Wand hängt. Es stellt die französische Justizministerin Christiane Taubira, eine PoC, als Affen dar.

[…] Dass vor knapp zwei Jahren in Frankreich die Ehe für alle (Mariage pour tous) in Kraft trat, ist vor allem der Entschiedenheit, dem Einsatz und den rhetorischen Fähigkeiten von Christiane Taubira zu verdanken. […] Im November 2013 zeigte das Cover der rechten Wochenzeitung Minute ein Foto von ihr und titelte: Maligne comme une singe. Taubira retrouve la banane. (Schlau wie ein Äffin. Taubira trifft [?] eine Banane. [Bin mir unsicher, wie mit welchem Wortsinn retrouver hier übersetzt werden soll]. Schon zuvor war die Ministerin auf Facebookseiten und Demoplakaten mehrmals als Affe bezeichnet worden.

[…] Irgendwann in jenen #idpet Wochen wachte ich nachts auf und wusste plötzlich, was Charlie Hebdo mit der Affenkarikatur bezwecken wollte. Ich wünschte mir das Talent und die Kreativität, jene Hasskommentare ebenso bildlich umsetzen zu können. In eine Karikatur, die klipp und klar zeigt: Das wird gesagt. Das ist gemeint. So sind diese Leute unterwegs. Ein einziges Bild, das mit der ganzen Schlechtigkeit im Gedächtnis hängen bleibt. Und nicht nur eine wage Erinnerung an „Überempörung“, weil inzwischen doch alles wieder gut ist.

Leider kann ich weder zeichnen noch hatte ich entsprechende Ideen, wie so etwas umgesetzt werden könnte. […] Mir blieb nur, die Affenkarikatur auszudrucken, zu rahmen und an die Wand zu hängen.

Ich verstehe sie so, dass sie diese satirische Darstellung (hier ein Link zu einem Tweet mit dem Bild) für sich umdeutete, „verstand“. Dass sie im Kontext ihrer eigenen, höchst negativen Medienerfahrung etwas Positives für sich herauszog. Und sich daher die Karikatur rahmte und an die Wand hängte.

Nele Tabler plädiert dafür, Karikaturen und Satire streng im Kontext zu lesen, in dem sie entstanden. Das ist ein hehrer Wunsch. Spätestens seit dem Beginn der Postmoderne machen sich Inhalte gern selbstständig, werden zitiert, herumgereicht, kurz: entkontextualisiert. Daher ist der Forderung, einen Inhalt streng im Kontext zu lesen, heutzutage gar nicht so einfach beizukommen. Fehlende Kontexte müssen erst mühsam recherchiert werden, und wer macht sich diese Mühe noch in unserer schnellebigen Zeit?

Was bleibt, sind die Bilder, die Inhalte. Und diese normalisieren Rassismus. „Es ist in Ordnung, Schwarze Menschen als Affen darzustellen!“, sagen sie. „Ist doch lustig, lacht halt einfach mit!“, fordern sie.

Vergessen wird bei dieser Argumentation um die Berücksichtigung von Kontext, dass auch Rassismus Kontext hat. Blackface, zum Beispiel. „Ist doch lustig, sich mal als wer anders zu verkleiden! Schwarze dürfen sich doch auch weiß anmalen, wieso also nicht weiße schwarz?“ Kontext, Kontext! Blackface hat, ebenso wie rassistische Karikaturen, eine lange Tradition. Eine Verletzungsgeschichte, die auf der Vormacht weißer Menschen aufbaut und die die Gefühle, Meinung, Würde von Schwarzen Menschen außen vor lässt. Nein, es ist nicht ok, sich sein Gesicht „mit Schuhcreme, Kohle, was auch immer“ anzumalen und Schwarz zu „spielen“. Und nicht nur, dass wir Weißen gern den Kontext von Rassismus vergessen (wie bequem!), nein, mit derartigen „lustigen“ Aktionen werden auch die Rassismuserfahrungen von PoC entkräftet.

Vielleicht würde ein Foto von Christiane Taubira, wie sie sich selbst gern in der Öffentlichkeit zeigt, sich ebenso gut an Nele Tablers Wand machen, eine ähnliche Botschaft aussenden – und ihr auch noch respektvoll begegnen.

christiane_taubira

Im Zuge des germeinsamen Weges zu mehr Awareness daher mein Appell: Trauert um die Opfer des furchtbaren Mordanschlags. Ich tue es auch. Und überdenkt dennoch, ob ihr wirklich ganz und gar hinter den Inhalten von Charlie Hebdo stehen wollt – in aller Konsequenz.

 

Nachtrag vom 14.01.2015: Liebe Nele Tabler: Ich biete dir hiermit an, die von dir vermisste Karikatur von dir zu malen. Vielleicht ist das ein erster Schritt aufeinander zu.

43 Kommentare

kontext ist aber wichtig! die karikatur, die nele trabert an der wand hängen hat, hat einen ganz klaren kontext, der auch noch da ist, wenn jemand ihn nicht mitdenkt oder gar missversteht.
zudem muss ich nicht hinter jeder einzelnen karikatur oder veröffentlichung von charlie hebdo stehen, damit dort im namen der pressefreiheit gezeichnet werden darf. pressefreiheit geht über meine meinung und meinen geschmack hinaus. über ihren auch. das ist ja das gute an ihr!

Kontext. Ja. Und wo ist der Kontext der alltäglichen Rassismuserfahrung, denen PoC ausgeliefert sind? Wo ist der Kontext ihrer Meinung zu den Karikaturen, zur Satire und den „lustigen“ Dingen?
Gute Satire tritt nach oben. Nicht nach unten. Gute Satire hat es nicht nötig, Menschen, die ohnehin schon systematisch benachteiligt sind und diskriminiert werden, noch weiter zu diskriminieren.

Und wer „Je suis Charlie!“ schreibt, stellt sich hinter diese Art von Diskriminierung.

Solidarität mit den Opfern: Ja! Aber nicht um den Preis der Normalisierung von Rassismen.

gute satire tut vor allem eins: weh. schon sokrates sagte, als er zum tode verurteilt wurde: „ich bin die pferdebremse auf dem dicken arsch der metropole athen. meine stiche sind schmerzhaft.“ der kontext ist: eine satire-redaktion als institution hat die aufgabe, unbequem zu sein. der rücksichtsvolle hofnarr aber hat sein berufsziel verfehlt. ich bin charlie. und ich diskriminiere nicht. diese karikaturen sind frech, unbequem, und das genau sollen sie sein. der ursprung dieser zeichnungen ist zutiefst human und frei von ressentiments. sie zeigen auf, prangern an. sie stellen fragen und rütteln an dogmen. und das ist wichtig!

Du hast den Text nicht verstanden. Das ist schade. Vielleicht liest du ihn noch ein weiteres Mal, vielleicht etwas langsamer. Folg doch auch ein paar der Links.
Interessant finde ich auch, dass du dir anmaßt, beurteilen zu können, wer Ressentiments hat und wer nicht. Dieses Privileg (sic!) nehme ich mir in meinem Artikel nicht heraus, im Gegenteil plädiere ich für die kontextfreie Betrachtung mit wachem Auge. Aber nun, auch das scheint dir entgangen zu sein.

Deine ansonsten leider am Thema vorbeigehende Meinung lasse ich trotz ihrer Deplaziertheit stellvertretend stehen.

ich hab den text sehr wohl verstanden. und bei ressentiments denke ich an meine eigenen, die kann ich nämlich am besten beurteilen. ich sage nur: ich muss gar nicht hinter allem stehen, was charlie hebdo (nur als beispiel) veröffentlicht hat. aber ich kann anerkennen, daß für eine institition andere parameter gelten, als für privatpersonen.

Deine letzte Antwort war leider so weit am Thema des Artikels vorbei, dass ich annehmen musste, dass du den Artikel nicht verstanden hast. Freut mich, dass ich mich geirrt habe.

Weshalb sollten für Institutionen andere „Parameter“ gelten als für Privatpersonen? Rassismus ist ein strukturelles Problem, das uns alle betrifft. Privatpersonen, Gruppen, Institutionen, Behörden. Er durchzieht alle Strukturen. Und wenn du meinen Text so aufmerksam gelesen hast, wie du schreibst, sollte dir auch nicht entgangen sein, dass ich durchaus um die Toten trauere. Und dass ich nirgends nach Zensur gerufen habe. Ich mache lediglich darauf aufmerksam, dass ich es für gut halte, sich als priviligierte, weil weiße Person gut zu überlegen, ob man sich vollkommen hinter die Inhalte von Charlie Hebdo stellen möchte. Denn die sind nicht unproblematisch.

pass auf, ich sehs ein: ich hab mich da in was verrannt. entschuldige, ich war so drin. mich hat das ganze geschehen aus verschiedenen gründen über die maße mitgenommen, und nach erneuter lektüre erkenne ich: fehler gemacht, übers ziel hinaus, glanzleistung dann ab morgen an anderer stelle. ok? ich lerne: nie auf sechs blogs gleichzeitig kommentieren, man kommt durcheinander. und drüber schlafen. aber lernerfolg ist doch schön. in einigen punkten bin ich anderer meinung, aber das müssen wir nicht von anonym zu anonym klären. ist doch ok. insofern. nichts für ungut und gute nacht?

Natürlich darf (oder vielleicht sogar soll) Satire weh tun. Wer aber glaubt, das ginge nur durch Rassismus und Homophobie, dem fehlt wohl einiges an Vorstellungsvermögen. Die Qualität von Satire zeigt sich aber darin, wem sie weh tut. In deinem Beispiel von Sokrates gelten seine Stiche der Metropole Athen, einer mächtigen Institution. Satire, die nach unten tritt und Sprache und Bilder der Unterdrücker reproduziert, untertützt nur den Status Quo und verfehlt somit ihren Sinn. Dafür darf und muss sie kritisiert werden. Das ist wichtig!

jaaa! sie muss unbedingt kritisiert werden, und das will sie auch. ansonsten wäre sie ja gegenstandslos. ich denke: eine institution ist eine gruppe von menschen, die innerhalb bestimmter parameter agiert und ein ziel verfolgt. UND auch als verantwortlicher absender erkenntlich ist. wenn ich als privatperson z.B. N-Wort [Anm.: Autor des Kommentars hat das Wort ausgeschrieben] schreie, ist das rassistisch und nicht ok. wenn ich als satirezeitschrift innerhalb eines gesellschaftlichen kontextes dasselbe wort verwende, ist es nicht automatisch rassistisch. ich (wieder als privatperson) bin dann gebeten, im gesamtkontext zu schauen: wer sind die urheber, wo stehen sie und was wollen sie. das ist in zeiten des internets keine große sache. und genau deshalb bin ich so kritisch mit den VIELEN VIELEN kommentaren und blogeinträgen, die hinter ihre (berechtigte und geglaubte) trauer ein „aber“ schieben. da muss ich widersprechen, mein bauch zwingt mich. ich muss die karikaturen nicht gutfinden, aber ich muss sie anerkennen als solche. ich kann dagegen klagen oder mich beschweren, aber ich muss mich dem kontext stellen. und zu guter letzt zum problem des victim-blamings: angewandt auf das thema vergewaltigung komme ich bei eurer argumentation ins schwitzen! „klar kann die anziehen was sie will, aber man muss schon damit rechnen, daß…“- auch hier: nein. und wenn ich nackt auf die strasse gehe, dann können alle sagen: verrückt, bitte abholen, will ich nicht sehen. aber nicht anfassen, und schon gar nicht hinterher sagen: bißchen selber schuld. zumal die beiträge von charlie hebdo nicht „nach unten treten“, wie tinuquin schrieb. sondern nach oben. und das genau ist die aufgabe der institution satiremagazin.

Nein. N-Wort ist nicht ok. Nicht als Einzelperson, nicht als „Institution“, nicht als Satirezeitschrift. Ich habe es auch aus deinem Beitrag entfernt. Wenn du gern Diskriminierungssprache praktizieren willst, do it on your own turf.

Wieso diskutierst du hier eigentlich herum? Wieso fragst du nicht mal Betroffene, wie die z.B. das N-Wort sehen? Geh, frag die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland. Oder eine andere Vereinigung Schwarzer Menschen oder PoC. Ich sehe nicht ein, wieso wir als Weiße da IRGENDEIN Mitspracherecht haben sollten. Es geht nicht um unsere Würde, unsere Menschlichkeit, unsere Geschichte. Punkt.

Und zu deinem Vergewaltigungs-Argument: No. Ich habe nirgends ein „They had it coming!“ in meinem Text. Erster Absatz. Lies und staune.

Heieiei. Auf dem Niveau diskutier ich mit dir echt nicht weiter rum. Lies halt mal. Lies. LIES!

@ mariesco: ich verstehe nicht, wieso du hier mit victim blaming kommst und wie du von TQs Artikel auf den Vergewaltigungsvergleiche kommst *kopfschüttel*

Und übrigens ist der Gebrauch des N-Worts rassistisch, egal, wer ihn verwendet. Wie kommst du nur auf die Idee, für „Institutionen“ gelten andere Regeln? Das ist Reproduktion von Diskriminierungsstrukturen – und die Verwendung tritt damit ganz definitiv nicht nach oben.

Weiße Frauen, die sich Bilder von Schwarzen an die Wand hängen, auf denen diese schlimmstenfalls noch als Tiere karikiert werden – das ist hier der mitzudenkende Kontext, das hat Tradition. Weiße haben nicht zu bestimmen, wann Rassismus für ihre Struggles empowernd ist.

Alte hör zu,

ein Gedanke der Aufklärung war es, das prinzipiell alle Menschen die Wahrheit erkennen können.
Prinzipiell können auch Weiße sagen was Rassismus ist!
Was Du hier bringst, ist nichts weiter als ein Autoritätsargument. Nur POC wird zugesprochen entscheiden zu können was Rassismus ist und was nicht.
Weiße haben nichts zu sagen.
Selber denken, fehlanzeige.

Was Du hier bringsts ist nicht kritsch, nicht progressiv sondern zutiefst reaktionär.
Und Leute wie Du kotzen mich einfach an, weil sie schlimmstenfalls andere umbringen, die Ihr Wahrheit nicht teilen.

Schätzelein,

weil wir hier superprogressiv sind, lassen wir deine pupsköpfige „Meinung“ (höhö) mal hier stehen. Aus reiner Barmherzigkeit, weißt du? Weil du hast dich ja bemüht, uns was Geistreiches zu schreiben, und dass nur Dünnpfiff dabei rausgekommen ist – naja, dafür kannst du nichts.
Das mit dem selber *denken*, tja, das scheint dir ja auch ein wenig schwer zu fallen. Mit der Empathie hapert es, und Perspektivübernahme… ach, naja. Du hast sicher andere Stärken!

Gib nicht auf! Irgendwann wirst auch du sicher ein produktives Mitglied der Gesellschaft! <3

@CharlieXXL: Nettiquette gilt auch hier und in jeder Diskussion, auch wenn unterschiedliche Meinungen vertreten werden. Ich kann wirklich nur den Kopf schütteln.

ich konnte meinen kommentar nicht weiter unten posten, den mit der späten einsicht. aber unten gehört der hin, sonst verwirrung. ging technisch nicht, ist aber inhaltlich das ende vom lied. bitte mitbedenken. gute nacht.

Das ist ja mal wieder echt bedrückend. Zu diesem „Blackface is‘ voll okay, weil schwarze Menschen machen das ja auch andersrum“ (I don’t even), hier der großartige Beitrag zu Reverse Racism (den nichts anderes ist diese Aussage letztendlich) von Aamer Rahman:

http://jfml.eu/blog/2014/01/aamer-rahman-reverse-racism/

Die Voraussetzung um entscheiden zu können, was Rassismus ist, bedingt, selbst ein Rassist zu sein.

Merke:
Es gibt keine schwarzen, gelbe, weiße, oder was auch immer farbige Menschen. Jeder Mensch, jedes Lebewesen ist einzigartig, das ist schlicht die Voraussetzung für Evolution.

Ja. Es gibt keine „Rassen“ von Menschen.
Und trotzdem gibt es Rassismus! Verrückt, was? Das kommt daher, weil wir alle (ja, wir alle) mit dem Konstrukt aufgewachsen sind, es verinnerlicht haben. Darum gibt es rassistische Stereotype, Vorurteile und auch Diskriminierung, die auf Rassismus beruht. Sie ist systematisch und strukturell.
Lies doch hier weiter:
http://charterforcompassion.org/node/6104
http://everydayfeminism.com/2014/07/8-things-white-people-race/
Oder lies dich mal bei http://trollbar.de schlau, wie sehr sich der Alltag von Schwarzen Menschen von dem von weißen unterscheidet.

An Stereotype kann der Mensch nur GLAUBEN. ES ist eine Frage des GLAUBENS und keine Frage des Wissens.
Was auch immer irgendjemand behauptet, ist genau weshalb wirklich?
Ein soziokulturelles Konstrukt ist Teil vielleicht eurer Realität, aber nicht der Wirklichkeit. Genau das ist das Problem, daß es nur Rassisten gibt, das sind Menschen , die GLAUBEN es gäbe Rassen.

Solange IHR selbst diesen GLAUBEN stützt, genau solange wird es Rassisten geben.
Das hat ungefähr gar nichts mit Strukturen zu tun, das ist nur reine DUMMHEIT, allein die Fähigkeit fehlt, dies auch erkennen zu können.

Das ist und bleibt eine Kirche, es liegt an euch selbst, ob ihr einen Glauben stützt oder eben nicht.
Es ist nur eine Frage der Aufklärung, denn kein Mensch will der DUMME sein, noch nicht einmal der braune Dorfdepp.

Ach, was für ein Unsinn. Ich kann dich zum Glück mit Daten widerlegen. In der Psychologie ist das Phänomen des „Stereotype Threat“ bekannt, das – unabhängig davon, ob ich der Meinung bin, dass ein Stereotyp stimmt oder nicht, beeinflusst. Und zwar Menschen, die von dem Stereotyp betroffen sind, negativ.

Geh, google den Begriff, lies die Artikel in Primär- oder Sekundärliteratur.

Ich MAG übrigens deine ART sehr, immer in VERSALIEN zu schreiben. Also, nicht wirklich. Aber du triffst damit eine gewisse Aussage über dich, die ich recht interessant finde. :)

„im Gegenteil plädiere ich für die kontextfreie Betrachtung mit wachem Auge.“

Aber wieso spielt bei Blackfacing dann ein Kontext aus dem vorigen und vorvorigen Jahrhundert eine Rolle?
Bei kontextfreier Betrachtung, für die du oben plädierst, handelt es sich um Menschen mit Farbe im Gesicht.

Darum geht es: Messen mit zweierlei Maß. Weiße fordern für sich gern ein, ihre Handlung im Kontext interpretiert zu bekommen, lassen aber den Kontext der Verletzungsgeschichte außen vor.

Dieser Art, für sich immer einen Deutungskontext (oder auch Deutungshoheit) einzufordern, will ich widersprechen. Denn diese KANN gar nicht bei uns weißen Menschen ließen, wenn es um Dinge geht, die schwarze Menschen betreffen. Eigene, subjektive Befindlichkeiten von Nichtbetroffenen von Rassismus spielen bei Rassismus einfach keine Rolle. Wenn ich mich selbst empowert fühle durch eine rassistische Darstellung einer anderen Person, sollte ich mich fragen, wieso. Und das nicht unreflektiert abfeiern.

Deutungshoheit „… KANN gar nicht bei uns weißen Menschen ließen, wenn es um Dinge geht, die schwarze Menschen betreffen.“

Du deutest doch gerade selbst als weiße (du sagst „uns weißen“), dass die Karrikatur rassistisch ist bzw. dass hier der Kontext nicht zählt. Und weiter:

„subjektive Befindlichkeiten von Nichtbetroffenen von Rassismus spielen bei Rassismus einfach keine Rolle“

Also spielen laut deiner eigenen Aussage deine Befindlichkeiten keine Rolle und die Deutungshoheit hast du auch nicht.

Wenn aber der Kontext eine Rolle spielt, dann wäre es möglich, dass die Darstellung – im Kontext – nicht rassistisch ist, und Nele Tabler genau das Gegenteil getan hat von „unreflektiert abfeiern“, sondern die Aussage der Karrikatur im Kontext sehr gründlich reflektiert hat.

„Du deutest doch gerade selbst als weiße (du sagst “uns weißen”), dass die Karrikatur rassistisch ist“

Nope. Ich respektiere damit die Deutung von PoC, die derartige Darstellungen als rassistisch ablehnen. Ich beuge mich damit IHRER Deutungshoheit.
Got it?

Ich bin schockiert. Ich bin POC. Tiefstes dunkles Schwarz ziert meinen Körper. Keine Frage irgendeiner Definition, sondern völlig offensichtlich. Mir ist schon viel erzählt worden von einer weißen Clique, die überall angeblich in meinem Namen spricht. Heute habe ich durch das Drama um Nele Tabler tatsächlich mal eine solche Person entdeckt.

Ich bin solidarisch mit Nele und ich bin absolut angewidert von der Tatsache, dass Du und Deine Freundinnen glauben, Ihr dürftet ständig bestimmen, was Menschen wie ich als rassitisch empfinden. Und nun dreh Dich bitte nicht wieder im Kreis und erzähle mir von den Definitionen, die Du kennst und die von Menschen wie mir gemacht worden.

Du ziehst blind irgendwelche Fronten auf. Du bist nicht Charlie, nein, vor allem bist Du aber auch nicht ich und es macht mich fassungslos, wenn Menschen angeblich im Namen des Antirassismus diese Grabenkriege hier beschwören. ICH bin schwarz. Und Deine herablassende Art in den Kommentaren hier, wie Du andere belehren willst, was ich und meinesgleichen als POC fordern und wünschen … DAS ist Klassismus in meinen Augen. Eine Bildungselite erklärt (auch noch auf höchst arrogante Art und Weise), was andere Menschen über MICH zu denken haben. Ich bin fassungslos.
Danke für gar nichts. Du bist nicht meine Fürsprecherin. Bitte lass es einfach.
Wir suchen den Frieden, Ihr streut nur Hass überall!

Liebe*r Pen,

dass du dich von rassistischen Äußerungen nicht persönlich angegriffen fühlst, ist dein gutes Recht. Missverstehe mich bitte nicht – ich habe mir nie herausgenommen, für dich persönlich zu sprechen. Oder für eine andere individuelle Person.
Ich halte mich schlicht und einfach an die Empfehlungen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. und des Braunen Mob e.V., um mir nicht die Definitionsmacht anzumaßen. Du kannst z.B. hier nachlesen, was diese Verbände mir als weißer Person empfehlen:
http://isdonline.de/durch-beleuchtung-kolonialer-kontinuitaeten-den-oeffentlichen-diskurs-bereichern/
http://isdonline.de/raus-mit-den-kolonialen-altlasten-das-wort-neger-ist-nicht-teil-deutschen-kulturgutes-sondern-diskriminierend/
http://www.derbraunemob.info/so-gehts/
http://www.derbraunemob.info/so-gehts-nicht/
Und darüber hinaus: http://www.antiracistalliance.com/allychar.html Hier beschreibt Phyllis Labanowski explizit das Verhalten von weißen Allys im Kampf gegen Rassismus.

Auch das kannst du blöd finden, das ist weiter dein gutes Recht. So, wie ich als Frau Feminismus doof finden dürfte. Als weiße anti-rassistische Ally halte ich mich an den Diskurs, den schwarze Denker*innen im Bereich Antirassismus vorgeben. Mir steht nicht zu, diesen allgemeinen antirassistischen Diskurs zu kritisieren.

@Tq

“Mir steht nicht zu, diesen allgemeinen antirassistischen Diskurs zu kritisieren.“

Mal eine ernsthafte Frage, weil ich die Gedanken die hinter so einer Einstellung nicht verstehe (und wahrscheinlich auch nicht teile)

Warum glaubst Du dürftest schwarze Rassismustheoretiker_innen nicht kritisieren?

Danke für die Antwort.

Gegenfrage: Wieso sollte ich als Person, die nicht selbst von Rassismus betroffen ist, Mitspracherecht haben, wie am besten gegen Rassismus vorgegangen werden sollte? Meine Realität unterscheidet sich ja immens von der von Menschen, die rassistisch diskriminiert werden. Ich erlebe Rassismus immer nur aus zweiter Hand.
Das bedeutet zwei Dinge: Erstens kann ich dadurch niemals vollständig nachvollziehen, wie ein Leben als rassistisch diskriminierte Person tatsächlich ist. Zweitens wäre es ebenso ein Akt von weißer Machtausübung, würde ich PoC vorschreiben wollen, wie der Diskurs zu führen ist.

Es ist im Grunde die gleiche Argumentationslinie, die sich auch gegen die Präsenz männlicher Meinungen im Feminismus verwahrt.

@Tq

Vielen Dank für Deine Antwort. Ich habe schon geahnt, dass Du so oder so ähnliche Argumente vorbringen würdest.
Im Grunde geht es also um Erkenntnisstheorie und da gibt es auch unter Philosophen verschiedene Meinungen. Ich werde einfach mal ein paar Überlegungen dazu bringen, die das Problem vielleicht etwas bestimmter umreißen.

Es geht um Wahrheit.

1: Um gegen Rassismus zu sein, muss man nicht alle Mittel gutheißen die im Kampf dagegen eingesetzt werden. Ich glaube einfach, Du würdest niemanden töten, wenn man das von Dir verlangen würde?
Zweitens degradierst Du Dich mit dieser Einstellung zum Objekt, Du bist nur noch Mittel zum Zweck für die Interessen anderer Menschen.
Das verstehe ich nicht, zumal vor allem von Feministinnen immer wieder die sexuelle Objektifizierung von Frauen kritisiert wird. Hier passiert aber genau das Gleiche, nur unter anderen Vorzeichen – den (vermeintlichen) Kampf gegen Rassismus.

2. Das sich menschliche Erfahrungen unterscheiden ist richtig. Ein Hinweis darauf gibt allein schon die Tatsache, das es viele verschiedene Sprachen auf der Welt gibt. Als Mitglied einer Sprachgemeinschaft übernimmt man diese nicht einfach sondern prägt und entwickelt diese auch weiter.
Es existiert im einzelnen Menschen also ein schöpferisches Moment, aus dem heraus man das zu Verfügung gestellte ‚Material‘ wieder neu ‚bearbeiten‘ kann.
Da das für jeden Menschen gilt, warum nicht auch für Weiße, die evtl. die Gedanken schwarzer Rassismustheoretiker weiterentwickeln und auch kritisieren können?
Was spricht dagegen, zumal natürlich auch Weiße nicht in einer abgeschotteten Parallelwelt leben und nur da Zugang zur Realität haben?

Wenn wir aber dieses schöpferische Moment ausblenden, bleiben auch POC ewig zu Passivität verdammt, denn sie können niemals ihre Erfahrungen anderen mitteilen weil niemand imstande wäre diese nachzuvollziehen. Auch untereinander könnten POC sich nicht verständigen und zu einer gemeinsamen Rassismusdefinition gelangen.

Auch wenn Du Dich noch so sehr an den Richtlinien des ISD Bundes orientierst, irgendwo gehen dabei doch Erfahrungen verloren und DU zwingst anderen gewisse Rassismusdefinition auf.

Das spricht alles nichts dagegen, das es keine Rassismusdefinitionen geben kann, oder das sich in diesem Bereich keine Wahrheit erkennen läßt. Aber um dieser Wahrheit möglichst gerecht zu werden, muss jeder jeden kritisieren und sich einbringen können!

Es muss also noch etwas anderes außer Macht geben um den Diskurs zu prägen – das wären logische Konsistenz und Realitätsbezug. Ansonsten entscheidet letzten Endes nur noch die Gewalt über die Deutung der Realität und jeder der über genügend Mittel verfügt, darf sich seine Privatideologie basteln und unter Einsatz von Waffen durchsetzen!

Das waren meine Punkte, kurz angerißen natürlich. Es sollte klar geworden sein, das ich natürlich auch gerne Deine Kritik daran hören würde, sollte es denn solche geben.

Ansonsten wünsche ich Dir noch einen schönen Tag,

Ahref

„Ahref“, deine Ausführungen strotzen leider vor logischen Fehlschlüssen und Verallgemeinerungen. Und nicht zuletzt finde ich es bedenklich, dass es dir um Wahrheit geht. Und nicht um Respekt vor marginalisierten Gruppen.

Zunächst: Rassismus und Sexismus sind zwei unterschiedliche Arten von Diskriminierung. Ich bin als weiße Frau betroffen von Sexismus, aber nicht von Rassismus. Ich profitiere (ungewollt) vom rassistischen System. Daher ist es wichtig, hier einen Schritt zurückzutreten und hier nicht weiter Macht auszuüben, wo ich als Teil des weißen hegemonialen Systems schon am längeren Hebel sitze.
Punkt.

Und natürlich können PoC ihre Erfahrungen mitteilen. Davon zu hören ist aber eine andere Sache, als sie selbst zu erleben. Das kannst du nicht ernsthaft bestreiten wollen.

Um es nochmal nachdrücklich zu sagen: Mir geht es in meinem Artikel und in all meinen Kommentaren um Respekt. Dein Abschweifen auf „Wahrheit“ und Erkenntnistheorie ist ja schön und gut, aber hier nicht angebracht.
Es geht um das Geltenlassen der Kritik der unbestrittenen Mehrheit der PoC an rassistischen Darstellungen und rassistischer Satire.

Es geht nicht um Wahrheit, es geht um Würde.

Ahref, nur kurz noch ergänzend zu dem, was TQ schon geschrieben hat:

Da das für jeden Menschen gilt, warum nicht auch für Weiße, die evtl. die Gedanken schwarzer Rassismustheoretiker weiterentwickeln und auch kritisieren können?
Was spricht dagegen, zumal natürlich auch Weiße nicht in einer abgeschotteten Parallelwelt leben und nur da Zugang zur Realität haben?

Dass sich ihre Realität von der der von Rassismus betroffenen unterscheidet, spricht dagegen. Hast du dich mal umgeguckt und mal gehört / gelesen, was PoC erzählen / schreiben? Wie sollen weiße, die das niemals erleben, da überhaupt mitreden können? Und warum sollten weiße das Recht dazu haben, auch hier noch Raum einzunehmen und damit entsprechend den PoC Raum wegzunehmen?
(Um mal deinen höchst hinkenden Vergleich der Sprache zu bemühen: weiße sind keine Mitglieder der Sprachgruppe rassistisch diskriminierter Minderheiten.)

Das spricht alles nichts dagegen, das es keine Rassismusdefinitionen geben kann, oder das sich in diesem Bereich keine Wahrheit erkennen läßt. Aber um dieser Wahrheit möglichst gerecht zu werden, muss jeder jeden kritisieren und sich einbringen können!

Ich werde den Eindruck nicht los, dass es dir nicht um Wahrheit sondern um Deutungshoheit geht.
Wie TQ schon schrieb, geht es aber um Respekt und Würde.

Es muss also noch etwas anderes außer Macht geben um den Diskurs zu prägen – das wären logische Konsistenz und Realitätsbezug. Ansonsten entscheidet letzten Endes nur noch die Gewalt über die Deutung der Realität und jeder der über genügend Mittel verfügt, darf sich seine Privatideologie basteln und unter Einsatz von Waffen durchsetzen!

Erstmal verstehe ich nicht, wie dieser Sprung zu Macht und Gewalt zustande kommt. Und dann auch noch mit Waffeneinsatz durchsetzen? Hä?
Noch mal ganz langsam: es geht darum, sich als nicht betroffene Person zurückzuhalten, sich nicht anzumaßen, es besser zu wissen, und den betroffenen Personen Raum und Gehör zu geben. Wo ist da Gewalt? Wo ist da Macht, außer im Verzicht darauf?

Weird

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