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Armut, Angst und Aufstiegslügen – (Über)leben im System

Armut, Angst und Aufstiegslügen – (Über)leben im System published on 45 Kommentare zu Armut, Angst und Aufstiegslügen – (Über)leben im System

Schild: Bitte nach hinten durchgehen

Im Frühling 2014 habe ich meinen Master gemacht, wenige Monate vor meinem 25. Geburtstag. Auf meinem Abschlusszeugnis steht eine 1 vor dem Komma. Seit meinen Großeltern bin ich die erste, die einen Studienabschluss hat und die erste von uns, die einen in Deutschland gemacht hat. Für sowas wie Stolz ist weder Zeit noch Raum. Ich arbeite schon seit dem Studium selbstständig, aber kann davon nicht leben und habe deswegen das zweifelhafte Vergnügen mit dem Jobcenter. Das ist nicht mein erstes Zusammentreffen mit Hartz IV, ich bin damit aufgewachsen.
Ich habe schon vor zwei Jahren darüber geschrieben, wie es ist, als Tochter aus einer Hartz IV-Familie aufs Gymnasium und zur Uni zu gehen. Am Ende meines Artikels schrieb ich damals, dass bei mir die Angst, nach dem Studium in Hartz IV zu fallen, vermutlich größer ist als bei anderen. Hartz IV traumatisiert. Menschen haben derzeit zwar Anrecht auf Existenz, aber nicht auf lebenswerte Existenz. Welche Folgen das Aufwachsen mit zu wenig Geld und unter staatlicher Überwachung hatte, kann ich an mir selbst sehr gut sehen: Armut macht krank. Ich suche erst seit Herbst einen Job, aber habe jetzt schon schlaflose Nächte und niedergeschlagene Tage, wie sonst oft Langzeitarbeitslose.

Der Gedanke, dass an mir ein Makel klebt, verfolgt mich. Expert*innen sprechen davon, dass Armut vererbt wird – was, wenn sie recht haben? “Einmal Hartz IV – immer Hartz IV”, mit diesem Satz wird Roland Merten, Professor für Sozialpädagogik, beim Deutschlandfunk zitiert. Die Familienverhältnisse, die hier beschrieben werden, haben nichts mit meinen zu tun. Ich bin gefördert und motiviert worden wo es nur ging und sehr liebevoll aufgewachsen. Ich möchte mich hier nicht von etwas abgrenzen, ich möchte aber erwähnen, wie einseitig das dargestellte Bild von “der Unterschicht” ist. Es wird viel über “Problemfamilien” geschrieben – aber wenig über die Probleme der Familien. Stattdessen dürfen wir in der FAZ lesen, dass Spitzenverdienende mit 10.000 € brutto im Monat sich nicht als reich empfinden und unter schlaflosen Nächten leiden, weil jemand ihren Fitnessraum ausräumen könnte. In bin weder hausrat- noch unfallversichert, falls die Waschmaschine meine Küche überfluten sollte, habe ich ein ausgewachsenes Problem.

Nur nicht aus der Reihe tanzen

Ich habe eine Kindheit in Armut verbracht und ja, es macht mich wütend, dass es Leute gibt, die darüber weinen, nicht zu wissen, wie sie ihr Geld ausgeben sollen. Und ja, ich bin neidisch, dass andere Menschen sich nicht erst eine neue Jeans kaufen, wenn die alte ein Loch hat. Weniger Privilegienblindheit bei denen, die mehr haben als nur ein knappes Auskommen, wäre wirklich wünschenswert. Wenn ich lese, dass gerade in Armut aufwachsenden Schüler*innen pauschal Bequemlichkeit unterstellt wird, packt mich die Wut. Dass wir alles erreichen können, wenn wir uns nur anstrengen, ist eine These, die sich schon längst als Lüge entpuppt hat. Was mir und ganz sicher vielen anderen in meiner Situation fehlt, ist nicht der Wille – es sind Netzwerke, Wissen über soziale Codes und positive Erfahrungen. Diskriminierungen aufgrund von Klasse, Hautfarbe und Geschlecht nehmen viel Raum ein in meinen Kindheitserinnerungen. Ich habe gelernt, dass ich mich nicht wehren kann, denn meine Erfahrungen haben keinen Wert, mein Wort hat kein Gewicht und im Zweifel sitze ich immer am kürzeren Hebel.

Ich musste schon als Schülerin in der Oberstufe regelmäßig zur Kreisverwaltung meiner Heimatstadt und nachweisen, dass es sich “lohnt”, dass ich das Abitur mache. Schwänzen und schlechte Noten waren verboten, denn dann hätte ich meine Eingliederungsvereinbarung nicht erfüllt und das Jobcenter hätte uns nahe gelegt, mich von der Schule zu nehmen. Den kleinen Durchhänger, den viele Jugendliche in dem Alter haben, konnte ich mir schlicht nicht leisten.
Mir fehlt jegliches Vertrauen in staatliche Institutionen. Bei jedem Brief, in dem meine Uni mich bloß auf den nächsten Blutspendetermin hinweisen wollte, befürchtete ich, meine Exmatrikulation in den Händen zu halten, weil das Rektorat sich nun entschieden habe, ich verdiene doch keinen Studienplatz. Wenn ich meine Steuererklärung mache, habe ich jedes Mal Angst, mir wird mein winziger Zuverdienst weggenommen, weil ich irgendeinen Paragraphen übersehen habe. Das hat zur Folge, dass ich Expertin im Verstehen und Ausfüllen jeglicher Formulare, sehr ordentlich, überorganisiert und überpünktlich bin. Was andere mir wahlweise als tolle Jobqualifikationen oder Strebsamkeit auslegen, ist in Wahrheit der tiefsitzende Druck, nicht gut genug zu sein und Fehler zu machen, die weitreichende Konsequenzen zu haben. Ich weiß, dass ich immer auf das Schlimmste vorbereitet sein muss und auf keinen Fall den Eindruck erwecken darf, ich sei faul. Während meine Mitschüler*innen beim Schulaustausch waren, habe ich Nachhilfe gegeben und das verdiente Geld in Bücher investiert. Meine Bildung war mein Kapital und die einzige Möglichkeit an noch mehr Bildung zu kommen.

Nichts fordern, nichts erwarten

Ich habe keine Ahnung, wie andere Leute berufliche Netzwerke knüpfen und wie ich mich auf Veranstaltungen verhalten soll, auf denen Leute mit Sektglas in der Hand herumstehen. Es ist mir auch peinlich, das zuzugeben. Ich hab ja nicht mal was anzuziehen für solche Anlässe. Ein Symptom des Imposter-Syndroms, unter dem besonders Frauen zu leiden haben, ist die Angst, dass andere erkennen, man selbst könne im Grunde nichts und habe sich Erfolge nur erschlichen. Wenn sich zu dieser Angst dann die Erfahrung Armut gesellt, fühlt eine*r sich schnell überall wie ein Fremdkörper. Die Selbstverständlichkeit, mit der andere ihren Teil vom Kuchen fordern, ist mir völlig fremd. Vermutlich habe ich hier am meisten Nachholbedarf, denn mir stand noch nie mehr zu als ein Minimum. Ich habe nie gelernt, mein Können als solches zu erkennen und mich zu verkaufen. Meine Vorstellungen von Luxus sind eine 10er-Karte fürs Schwimmbad und ein zweites Paar Sommerschuhe. Nicht die besten Voraussetzungen für Gehaltsverhandlungen.

Ich bleibe zurückhaltend und fordere nichts, denn die Angst, das Wenige, was ich zum Überleben habe, auch noch zu verlieren, ist groß. Wenn du arm bist, zerrinnt dir das Geld zwischen den Fingern, aber auch Menschen wenden sich von dir ab, wenn du am sozialen Geschehen nicht teilnehmen kannst. Ich habe gelernt, mich anzupassen, mit den kleinsten Mitteln dafür zu sorgen, andere meine Armut nicht spüren zu lassen, weil anderen meine Armut unangenehm ist und ich möchte nicht, dass Leute sich meinetwegen schlecht fühlen. Ich kann mich durchschlagen und auch wenn ich nicht weiß, wovon ich meinen Kühlschrank füllen soll, allen das Gefühl geben, dass alles in bester Ordnung ist und es kein Problem ist, zum Geburtstagsgeschenk der Freundin was beizutragen.

Ich bleibe cool. Ich kann nicht ständig zusammenbrechen.

45 Kommentare

Sehr viel ähnliches hier. War ein langer Prozess zu begreifen, das für andere Leben nicht immer Kampf bedeutet. Ich bin die erste mit Abitur in der gesamten Familie und die erste die studiert. Schreib grad Diplomarbeit, bekomme Hartz IV, ein Kind is auch da. Aber: ich schaffe es. Und du auch. Wir sind stark und nicht alleine. Viel Kraft und Solidarität!

Meine Verhältnisse waren nicht ganz so prekär wie Deine, als ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin (nicht ganz Hartz IV, aber zwei Geringverdiener). Ich denke, dass ich deshalb einen Teil Deiner Komplexe (wenn das Wort unpassend erscheint, bitte entschuldige, mir fällt gerade kein passenderes ein) gut nachvollziehen kann, weil ich sie selbst er- und durchlebt habe (und das teilweise auch noch tue).
Ich habe das Glück, mit meinem (kreditfinanzierten) Studium eine Lücke gefunden zu haben, in der ich ein gutes Aus- und Einkommen habe. Die Dreistigkeit in den Gehaltsverhandlungen musste ich mir allerdings genauso erst antrainiereren wie das Empfinden, dass mir Dinge genauso zustehen, wie anderen Menschen auch. Gänzlich gelungen ist mir das noch nicht, und es hat Zeit und Kraft gekostet. Ich hatte zudem Menschen um mich, die mir meine knappe Kasse nicht krumm genommen und mir stattdessen viel Zuspruch gegeben haben.

Ich wünsche Dir, dass Du dieses Gefühl auch entwickeln kannst. Ich wünsche Dir, dass sich für Dich all die Kraft und Zeit, die Du in Dich, Deine Entwicklung und Deine Bildung gesteckt hast, auszahlen wird (und das nicht primär, wenn natürlich auch, monetär). Ich wünsche Dir alles Gute.

Vielleicht, wenn es sich ergibt, können wir ja mal einen Kaffee trinken gehen. Fühl‘ Dich eingeladen. 😉

So long,
Caro aka @688i

Vielen Dank für diesen Beitrag, ich habe Tränen in den Augen, weil ich mich so sehr in dich hinein versetzen kann. Ich gehöre zu den sogenannten „Arbeiterkindern“ und habe ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie Du. Zwar noch nicht während der Schulzeit (eine Frechheit, dass du dein Abitur dermaßen rechtfertigen und ’nachweisen‘ musstest), aber dieser Druck während dem Studium und auch diese Angst, die mit der Armut einhergeht, das alles kommt mir so bekannt vor und belastet mich so sehr. Mein Studium, inklusive Master, finanziere ich durch Bafög, Kredit und Arbeit, nach dem Studium bin ich verschuldet – Aussichten, die mir noch mehr Angst machen.
Es fällt mir schwer, optimistisch zu sein, aber dann sage ich mir immer wieder, dass alles andere nicht funktioniert und mich nur noch mehr belasten würde. Deswegen: Kopf hoch! Es geht weiter, es geht wieder bergauf 🙂

Von mir auch vielen Dank für den Beitrag. Meine Eltern waren „nur“ Geringverdiener, aber besonders die Gefühle im Studium und die Angst nachher nichts zu finden, kann ich extrem gut nachvollziehen.
(Ich bin seit Oktober fertig, auch mit 1 vor dem Komma, in Regelstudienzeit mit Auslandsaufenthalt) und habe vor lauter Angst, dass ich nichts finde , erstmal noch ein Studium angefangen.

Ich weiß, dass andere es nie so schwer haben werden wie ich, aber es ist vielleicht ein kleiner Trost, dass sie die Dinge auch nie so schätzen lernen wie ich. Wir schaffen das!

Schöner, wenn auch sehr trauriger Beitrag.
Als Selbstständige und Einserabsolventin hast du aber viele Möglichkeiten, auch wenn dir deine Angst etwas anderes einreden will. Außerdem bist du mit 25 Jahren noch jung. Ich weiß, dass der Arbeitsmarkt gerade für Geisteswissenschaftler hart ist, aber ich hoffe, dass du die Hoffnung nicht aufgibst.

Ja, das kenne ich alles, auch wenn ich mehr als 20 jahre älter bin als du.
Zu wissen woher man kommt ist kein Makel. Sich seiner Grenzen bewusst zu sein eine Stärke. Ich habe lange gebraucht um zu merken, dass das Gefühl „nicht zugehörig zu sein“ auf meinem eigenen Mist gewachsen ist. Die Menschen von denen du schreibst sind Fantasiegestalten der Medien. Menschen mit viel Geld sind durchaus bescheiden und offen und meist genauso wie du und ich (d.h. dessen was sie haben nicht bewusst). Klar vermisse ich diese Leichtigkeit, mit der andere Risiken eingehen. Das aber ist nicht alles, worauf es im Leben ankommt.
Vielleicht gehören wir nie zu den obersten 5 %, aber mit Rest der Gesellschaft läßt es sich dennoch gut tanzen.

Ich kenne das Problem leider sehr gut… Einwandererkind aus prekären Verhältnissen mit Eltern, die weder Geld hatten, noch das fremde Land und System verstanden. Gymnasium, Studium, Nebenjobs – überall hatte ich unglaubliche Angst, zu versagen, ich hätte mir das auch nie leisten können. Aber inzwischen, mit 29, geht es langsam etwas besser. Du bist nicht alleine und du schaffst das!

Vielen Dank für deine offenen und ehrlichen Worte. Ich wünschte, er hätte nicht die Wichtigkeit und Brisanz, die er hat. Heute. In diesem reichen Land. Es ist eine Schande.
Ich habe mich an einigen Stellen wiedererkannt, und ich weiß, wie lähmend und betäubend Armut sein kann, wie sehr sie einen auszehrt und angreifbar macht. Aber ich weiß auch: Es gibt ein Leben nach der Armut. Du schaffst es, ich bin mir ganz sicher.

Und wir sind für dich da, wenn du Unterstützung irgendeiner Art brauchst.

Ich erkenne mich auch in vielem wieder. Meine Mutter war alleinerziehend, ich die Älteste von 3 Kindern. Da ist Armut wohl praktisch vorprogrammiert, auch wenn man nicht arbeitslos ist. Ich war auch die erste in meiner Familie, die überhaupt Abitur gemacht und dann auch noch studiert hat. Meinen Eltern ist diese Welt völlig fremd und irgendwie denken sie bis heute, dass ich doch jetzt als Studierte garantiert einen supergut bezahlten Job kriegen müsste. Ich habe was geisteswissenschaftliches studiert, ich schätze mal du weißt, wie es da mit den supergut bezahlten Jobs aussieht…

Das Imposter-Syndrom kenne ich gut, mir fällt es auch sehr schwer mein Stück vom Kuchen einzufordern und bin beeindruckt mit welcher Selbstverständlichkeit einige das können.

Was mir auch auffällt ist der sehr unterschiedliche Umgang mit Geld zwischen mir und meinem Freund. Er ist jüngstes Kind einer Akademiker-Familie, ist in seiner Jugend nie von Armut betroffen gewesen. Ich habe mich gerade zu Beginn unseres Zusammenlebens oft darüber aufgeregt, mit was für einer Sorglosigkeit er das Geld ausgibt. Aber er weiß eben: Sollte es mal nicht reichen, werden seine Eltern ihm schon noch was zuschießen. So etwas gab es für mich nie, und so ein bisschen entspringt mein Ärger über ihn vielleicht auch einem gewissen Neid.

Was hast Du denn studiert? Es gibt viele, die nicht sofort von der Uni in die Arbeitswelt wechseln, sondern erst mal ALG I (Referendare z.B.) oder II beantragen müssen. Das kann aber verschiedene Ursachen haben. Je nach Position können viele Personaler auch Studiengänge nicht richtig einordnen.

„Ich habe keine Ahnung, wie andere Leute berufliche Netzwerke knüpfen und wie ich mich auf Veranstaltungen verhalten soll, auf denen Leute mit Sektglas in der Hand herumstehen.“

Muss Dir nicht peinlich sein. Niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Auch hier ist es durchaus branchenabhängig. Wird mehr auf Kreativität wert gelegt oder mehr auf Leistung? Ich gehe mal davon aus, dass Du Dich im Master spezialisiert hast, aber das könnte durchaus ein Anfang sein um das Eis zu brechen. Es ist nicht einfach, aber je mehr Gemeinsamkeiten bestehen, umso besser.

Viel Erfolg!

Ein weiterer Grund, der m.E. nicht so richtig herauskommt, ist auch, dass du viel Energie darauf aufwenden musstest und sicher auch noch musst, zu lernen, wie man durch andere Sphären navigiert. Du schreibst ja, dass du die erste bist, die in Dtl. einen Studienabschluss erworben hat. Sicherlich musstest du wie ich erst mal herausfinden, wie man sich an der Hochschule bewegt. Immatrikulieren, Veranstaltungen zusammensuchen, Pläne abstimmen, Plätze erkämpfen usw usf. Das hat mich früher so richtig fertig gemacht. Und dann natürlich die Energie, die dafür draufgeht, weil man so viel nebenbei machen muss. Da bleibt keine Zeit, um sich mal eben noch sozial zu engagieren. Deshalb finde ich die meisten Stipendienprogramme höchst unfair. Was armen Menschen in dem Zusammenhang auch fehlt, ist die Dreistigkeit, sich einen Vorteil zu verschaffen: „Oh, ich habe mich ja noch nie in meinem Leben sozial engagiert. Ich lass‘ mal Papa was deichseln.“

Hallo und danke für die interessanten Worte. Ich bin ebenfalls arm aufgewachsen – mit einer alleinerziehenden Mutter und ohne doppelten Boden. Bin auch die erste in der Familie, die studiert hat. Habe mir immer alles alleine finanziert oder eigenständig Lösungen gefunden (Studienkredit, besserer nebenjob etc.).
Es ist schwierig, diese Sprachen zu lernen: Sich „richtig“ zu geben und so aufzutreten, als wenn du dazugehörst, so ganz automatisch.
Das bekommst du aber bestimmt hin mit der Zeit. Und eines ist wicjtig: Du musst dich nicht anpassen, um Erfolg und genügend Geld zu bekommen. Ruhig Blut in der Sache, bitte glaube mir. Glaub an dich und Leute, die ähnliches kennen und durchgemacht, aber es aus dieser Misere heraus geschafft haben.
Das Erbe, das wir durch Erziehung und gesellschaftliche Mißstände mitbekommen haben und das uns oftmals im Weg steht, ist auch eine Chance.
Ich musste lange lernen, dass Geld nicht nur zum Überleben da ist, sondern zum Spaß haben, zum sich was gönnen, zum 5 gerade sein lassen. Und vor allem: Ich DARF Geld ausgeben für andere Dinge als nahrung und Lebenshaltungskosten, so wie viele andere das als selbstverständlich empfinden.
Ich bin diesem Zögern und Nachdenken auch dankbar, denn ich möchte nicht einfach Geld gedankenlos verprassen und egoistisch Ressourcen verschwenden und über Leichen gehen.
Natürlich bin ich, immer noch, auf manche eine egal-Haltung neidisch. Auf das Auffangnetz aus reichen Eltern und auf das, was andere mal erben werden.
Aber ich hoffe mich irgendwann von diesem Neid und von der Angst vor Altersarmut verabschieden zu können. Den Leser*innen und der Schreiberin wünsche ich das auch.

Das kenne ich alles zu gut. Die tiefen Ängste, die Abhängigkeit – auch von Schalterbeamten. Zwei Jahre nach meinem Studienende hat es bei mir geklappt mit einer Festanstellung, ob es so weitergeht, bleibt ungewiss: gerade in der Medien- oder Kulturbranche.
Viel Kraft und Kraft und Kraft!

Wow, ich habe lange keinen Beitrag mehr gelesen, bei dem ich so viel über mich selber gelernt habe. Vielen Dank dafür und für deinen offenen Worte!

Ich persönlich habe es mir abgewöhnt, anderen Menschen großartig von meiner Vergangenheit zu erzählen. Weil die meisten Menschen dann mit Mitleid kommen und darauf kann ich ganz herzlich verzichten. Viel wichtiger ist es mir, dass diese Menschen lieber mal bereit sein sollten, über ihre eigenen Privilegien nachzudenken, weil sie weiß sind oder männlich oder heterosexuell oder dünn oder aus einer Familie ohne Geldsorgen kommen oder, oder, oder. Aber das kriegen die allermeisten Menschen leider nicht hin.

Hallo,

du schaffst das. Du hast bereits viel geschafft. Als Erste in der Familie im Studium, ohne Gymnasialabachluss, kommen mir viele deiner Gedanken sehr bekannt vor, hier sind daher ein paar Anregungen, die mir sehr geholfen habe, in der Hoffnung, dass sie dir vielleicht auch weiterbringen können 🙂

Zuerst, Vegleiche sind leicht zu ziehen, aber wenig hilfreich. Du hast dene eigene Geschichte, eigene Einflüsse, eigene Möglichkeiten, die unmöglich selbst mit Personen in ähnlichen Situationen zu vergleichen sind. Mir hilft es am meisten, wenn ich nur auf mich sekbst zurückschaue, denn dann merke ich, wie weit ich geommen bin.

Umgebe dich mit Menschen, die dich inspirieren, und die dich akzeptieren wie du bist. Damit verbunden, akzeptiere dich selbst. Deine Situation ist härter als die deiner KommilitonInnen, aber dafür stattet sie dich mit viel Dankbarkeit und Freundlichkeit aus. Solche Menschen braucht die Gesellschaft und die Welt. Mit solchen Menschen wie dir möchte ich persönlich gerne zusammensein, denn sie wissen, das alles nicht selbstverständlich ist.

Lass deine Bitternis los. Egal wie ungerecht es ist, es ist vorbei. Du bist durch diese schwere Zeit gegangen, aber du bist jetzt eine andere Person. Das Studium hat dich verändert. Du brauchst nicht mehr an deinem alten Selbstbild festhalten. Lass es zu, deine Sichtweise auf sich zu verändern. Du hast dein Studium ausgezeichnet gemeistert.

Falls du auf der Suche nach Gleichgesinnten bist und ein Netzwerk suchst, kontaktiere und mische bei Arbeiterkind.de mit. Wir sind ein Portal für Studierende der ersten Generation, die Leute sind unheimlich nett, es gib Mentorprogramme für den Berufseinstieg, Beratung für genau unsere spezielle Situation als Erststudierte, Workshops zu verschiedenen Themen, etc. Als ich noch in Deutschland war, hat mir diese Gruppe unheimlich geholfen, mein Einzelkämpfergefühl und die Einsamkeit loszuwerden, ich habe Kontakte und viele Inspirationen gefunden!

Dem Allem voran, vergegenwärtige dir immer wieder, was du geschafft hast! Mann, Mädel, du bist der Wahnsinn! Du musst dich hochgekämpft haben wie eine Löwin. Diese Zähigkeit, Ausdauer und der Wille weiter voranzustreben sind großartige Fähigkeiten. Aber zuerst musst du sie dir selbst anerkennen. Sei freundlich zu dir, lobe dich, auch wenn alle anderen sorgenfrei scheinen, auch wenn die Familie nicht immer alles versteht. Du weißt, was du geschafft hast, was du erlebt hast, und wo du nun bist. Erzähl es dir jeden Tag, du kannst verdammt nochmal stolz auf dich sein.

Wäre ich nicht am anderen Ende des Kontinents, ich würde ebenfalls einen Kaffee mit dir trinken wollen.
Ihr alle, die als Erste studiert habt, ihr seid super.
Wirklich, niemand außer uns weiß, wie viel Kraft und Wille es kostet.

Ganz viel Kraft, Lebenslust und Motivation für deine weitere Zukunft.

[…] Überleben im System – Tugendfurie schreibt auf der keine Unterschied darüber, wie es war, mit HartzIV aufzuwachsen und wie es jetzt ist, auch nach einem sehr guten Uni-Abschluss immer noch zusätzlich auf HartzIV angewiesen zu sein. […]

Hallo,

vieles davon kenne ich . Aber: Was uns nicht umbringt, macht uns stark! Doppelstudium, zwei Nebenjobs, 13 m2 im Wohnheim direkt an der spurigen Straße ohne eigene Toilette und Kochnische- aber immerhin eine 1 vor dem Komma bei jedem Abschluss.
Und mit Pokerface kam es auch zum Traumjob – obgleich ich den Plan B griffbereit in der Tasche hatte. Andere haben im Freibad gelegen und gefeiert und ich habe eine Bewerbungen formuliert und am Motivationsschreiben gebaut. So ist es manchmal.
Aber es gibt kaum was Schöneres als zu wissen: Das habe ich mir selbst erarbeitet, das habe ich geschafft!
Bildung ist einfach die wichtigste Investition, hippes Chi-chi kann man vergessen.
Ich drücke die Daumen, dass sich die Dinge bald zur Unabhängigkeit wenden!
Lamasus

Was für eine Eingliederungsvereinbarung? Wie muss ich mir das vorstellen?

Sowas unterschreiben normalerweise alle „Kund*innen“ beim Jobcenter: Das JC verpflichtet sich, dich zu beraten (viel mehr ist es meistens nicht) und du verpflichtest dich, jederzeit bereit zu stehen, soundsoviele Bewerbungen zu schreiben usw.
Ich als Schülerin verpflichtete mich, mein Zeugnis und meine Fehlstunden regelmäßig vorzulegen und regelmäßig zur Schule zu gehen sowie zu den mir aufgedrückten Terminen zu erscheinen.

Die Beschreibung macht mich traurig. Wenn junge Menschen ihr bisheriges Leben, ihre Gegenwart und Zukunft so düster beschreiben, bekomme ich (61) Angst. Meine Frau und ich stammen aus Arbeiterfamilien. Unsere Eltern waren „arme“ Leute. Wir haben beide nicht studiert (kein Abi) und trotzdem eine schöne Kindheit und bisher ein schönes Leben gehabt. Sicher, das ist immer Ansichtssache. Wir wissen, was es heißt, den Arbeitsplatz zu verlieren und arbeitslos zu sein. Wir hatten Glück und haben uns immer wieder hochgerappelt. Dass ich heute die Welt und die Bedingungen für junge Leute ganz anders beurteile, als ich es früher je getan habe, führte ich auf mein „Alter“ zurück. Vielleicht ist es eine Art von Desillusionierung, die mich erreicht hat und die mein Denken und Fühlen beeinflusst. Aber wenn ich deine Schilderung lese, müssen diese Veränderung einen anderen Ursprung haben. Unsere Gesellschaft hat sich seit Beginn der 90er Jahre spürbar verändert. Gründe dafür lassen sich wahrscheinlich viele anführen. Aber es ist auch nicht ganz auszuschließen, dass es unsere ganz eigene Sichtweise ist, die uns herunterzieht.

Du hast den Master geschafft mit einem sehr guten Abschluss. Du bist 25 Jahre alt. Da ist Optimismus und Zuversicht angebracht. Bitte lass‘ dich nicht so herunterziehen. Du hast dein Leben in der Hand. Auch wenn du das im Moment nicht so siehst, es ist die Wahrheit. Dir stehen alle Wege offen.

Erwerbslose sind ja an allem selber schuld, weil sie zu wenig Bildung haben, nämlich.

https://twitter.com/RidT/status/558391354058113024

AkademikerInnen sind in Massen arbeitslos, laß Dir nicht einreden, daß es ausschließlich damit zu tun hat, daß Du irgendwas falsch machst.

„… weil anderen meine Armut unangenehm ist und ich möchte nicht, dass Leute sich meinetwegen schlecht fühlen.“

Wenn jemand erwartet, daß Du Deine Armut versteckst, damit sich die Person nicht schlecht fühlt, ist sie vielleicht einfach bloß ein Vollidiot?

Und dann möchte ich unbedingt noch unterstreichen, was jemand vorher schon geschrieben hat: Vernetzung auch mit Menschen in derselben Lebenssituation ist wichtig und hilfreich.

Übrigens:
Die Jobcenter haben überhaupt nicht die Schulzeugnisse zu kontrollieren.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/jobcenter-in-der-kritik-hartz-iv-schueler-fuehlen-sich-zu-ausbildung-gedraengt-a-707608.html
http://www.taz.de/!127076/
Ist kein Vorwurf an Dich oder Deine Eltern, sondern an das zuständige Jobcenter.

Laß Dich bloß nicht unterkriegen. Jetzt hast Du es schon so weit gebracht, und bist so geübt im Durchhalten. Das wird Dir bei deinem weiteren Berufs- und Lebensweg sehr hilfreich sein. Betrachte das alles als eine zusätzliche Qualifikation die Du all den anderen die es „leichter“ hatten voraus hast. Hier ein kleiner Tipp für deine Bewerbungen (ich hoffe es nützt Dir) zwecks Gehaltsverhandlungen: http://www.glassdoor.de . Dort findest Du Infos die Dir bessere Übersicht geben was so gezahlt wird. Viel Erfolg und das nötige Quentchen Glück wünsche ich Dir von Herzen.

Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich komme auch aus einem Arbeiterhaushalt, der allerdings während meines Abiturs doch eher prekär wurde. Um mich beruflich schnell unterzubringen, redeten sie mir ein, ich wäre nicht für ein Studium geeignet, mal abgesehen davon, dass kein Geld dafür da sei etc. und ich machte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Es dauerte lange Zeit, bis ich den Mut fasste mich daraus zu befreien und das Studium nun doch anzupacken und ich habe es angepackt und ich bin auf einem guten Weg. Und ich bin froh, dass ich es nochmal gewagt habe.

Auch ich hab Tränen in den Augen.
Ich bin froh, dass ich in den 70iger und 80iger in die Schule ging. Ich konnte mir mal Faulheit und eine Klassenwiederholung leisten – trotz Sozialhilfe. Dennoch, Armut trage ich immer noch im Herzen – obwohl ich erfolgreich Studium abgeschlossenen und einen guten Job habe. (Es kann also materiell gut werden, emotional ist eine andere Sache.)
Dass alle armen Kinder eine Chance auf Verbesserung ihres Stands durch Bildung bekommen, ist ein Mythos. Ich habe immer ein Auge darauf, wie sich das Bildungs- und Sozialsystem verändert. Und die Auswirkungen hier lesen zu müssen, bringt mich zum Weinen.
Ich drück dir die Daumen, dass du die Kraft weiterhin behälst, dich durchzuschlagen.

Hallo,

ich bin über Sueddeutsche-Online auf Deinen Artikel aufmerksam geworden, der mich sehr berührt hat.

Ich bin ein „Privilegierter“ aus einer Familie, die in der Generation meiner Großeltern den Aufstieg in die „Mittelschicht“ geschafft hat, Akademikerkind, selbst durch Abitur und Studium gekommen, ohne mich irgendwelcher Spitzenleistungen verdächtig gemacht zu haben, mit gutem Job und Einkommen.
Die Themen Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit beschäftigen mich (trotzdem?) seit langer Zeit.

Der bittere Tenor Deiner Ausführungen macht mich traurig: Muß jemand wie ich Dir wirklich bestätigen, daß Du verdammt stolz sein kannst auf das, was DU erreicht hast? Du bist großartig, und wenn viele Kleingeister in den Personalabteilungen das nicht erkennen können, liegt das eher an denen als an Dir! Das sagt sich natürlich leicht, wenn man nicht auf solche Leute angewiesen ist – mit dem richtigen Netzwerk wärst Du einfach an ihnen vorbeigesegelt, das ist leider wahr und kann einen wütend und bitter machen.
Aber damit stehst Du Dir dann selbst im Weg … .
Alles Gute, viel Erfolg und vor allem das nötige Quäntchen Glück
Jens

Danke für deinen Artikel/ blog post, danke für deine Stimme.
Schwanke irgendwo zwischen heißer Wut und dunkler Resignation. Das muss jetzt nur noch in politischen Aktivismus umgewandelt werden.
Und das war meine holprige Überleitung. 😉
Hatte die tabs im browser noch auf, Campact sucht grad:
http://www.talents4good.org/jobs/online-redakteurin-campact/
http://www.talents4good.org/jobs/campact-campaignerin/
Die wären ganz schön blöd, wenn sie dich nicht zumindest zum Vorstellungsgespräch einladen würden. Aber hallo! (Und falls du denken solltest, du würdest ja gar nicht so richtig auf die Ausschreibung passen, scheiß drauf. Das tun 90% der Bewerbungen nicht und manchmal wissen Personaler*innen auch vorher nicht was sie mit ihren Beschreibungen alles verpassen. 😉 )
Ich drück‘ dir die Daumen, dass es bald klappt mit nem ordentlich entlohnten Job in deinem Bereich.

Dein Artikel in der SZ war – soweit ich mich erinnere – der einzig lesenswerte diese Woche. Leider wollen die meisten Leute in unserer konsum- und leistungsorientierten Gesellschaft ausschließlich Geschichten von Erfolgreichen hören oder lesen, die es trotz aller „Härten des Lebens“ gepackt haben. Oder eben die von sympathischen Loosern. Ich habe wegen zahlreicher Schulwechsel und unterschiedlicher Jobs schon vor mehr als 25 Jahren angefangen meinen Lebenslauf bei Bedarf (Bewerbungen u. s. w.) kräftig aufzupolieren und zu schreiben, was die Personalsachbearbeiter lesen wollen. Eine Geschichte muss nicht zu 100% wahr sein, sondern gut. Am Ende verläuft Dein Leben mit all den Einschränkungen und Rückschlägen weitaus interessanter als das der meisten anderen Festangestellten mit garantiertem Rentenanspruch. Oder, um Rocky (ja, ich weiß …) sinngemäß zu zitieren: „Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du einstecken kannst!“. So gesehen bist Du auf dem besten Weg.

Hallo Unbekannte

“ ich bin über Sueddeutsche-Online auf Deinen Artikel aufmerksam geworden „. So kam ich ebenfalls hierher.
Lass Dir niemals einreden das Armut verebbar sei. Das was in den letzten Jahren an Bazillus unter den Menschen umgeht, ist Lieblosigkeit; jeder ist sich selbst der nächste usw.
Man wird sogar klein gehalten damit es einem nicht gut geht.
Ich bin sogar schon fast geneigt, den Menschen die ich kenne, ein Experiment vorzuschlagen. Allerdings befürchte ich, dass ich die Experiment-Wette verlieren könnte, da ich es schon einmal im Leben sah, dass das Leben aufwärts gehen kann. Auch ich denke, dass mein Leben schon gelaufen ist. Doch so ganz stimmt das nicht. Ein Augenblick kann im Leben manchmal vieles bis alles ändern. Bei mir ist das zwar noch nicht der Fall, dass sich eine Veränderung breit macht. Doch wer weiß.
Ich bin jedenfalls nicht bereit, so ein Leben nochmal zu führen. Sofern es Wiedergeburt gibt.
Da die Mailadresse nicht angezeigt wird, kannst Du dich bei mir melden, wenn du möchtest.

Gruß sonnentropfen

Nach einer langen Zugfahrt, bei der ich dein Beitrag zuerst in der „Süddeutschen Zeitung“ und dann hier gelesen habe, wollte ich auch mal ein Kommentar hinterlassen. (Noch nie was im Internet geschrieben)
Das Leben ist nicht allzu Gerecht, da gebe ich dir vollkommen recht. Dein Letzter Satz auf dieser Seite ist für mich der Traurigste, bleib Stark und habe endlich mal Glück!

Denk nicht nach warum und du schwerer hast als die anderen, hege bitte auch kein Hass weder gegen das „System“ oder einzelne Personen, die dich möglicherweise verletzten. Das sind meine Lebensmottos, vielleicht helfen die dir.
Ich bin in deinem alter, grade an meiner Abschlussarbeit (als erster in Deutschland, du weißt bestimmt was ich meine).

Gruß
Igorius

Auch von mir ein großes, großes Dankeschön <3 Ich komme aus einer Familie, in der man sich lieber kaputt und chronisch krank gearbeitet hat, aus panischer Angst vor dem Amt und der "Schande", die damit verbunden war. Frag mal ClaraRosa, wie es war, als sie mich zu meinem allerersten Jobcenter-Gang begleitet hat, auf den ich mich ein halbes Jahr vorbereitet habe, mit Beratung, Vorträgen & Co. Ich hatte ALLE Unterlagen dabei, in verschiedenfarbigen Ordnern vorsortiert, habe übereifrig alle Fragen beantwortet und sogar die Zahl der geforderten Bewerbungen von mir aus erhöhen wollen. Nur, um dann den Antrag hinterher wieder zurückzuziehen, weil es mit meinem Freiberuflerstatus zu kompliziert wurde und mir das mit dem Fordern und "unverschämt" sein (im wahrsten Sinne des Wortes) eine Nummer zu groß war. Zu dem Frust darüber kommt – speziell mit einem wie auch immer gearteten linksalternativen Umfeld – noch das Gefühl ein Loser zu sein, weil es mir scheinbar nicht gelingt, dem System ein Schnippchen zu schlagen. Oops, ich hoffe, ich bin jetzt nicht zu weit abgeschweift, nimm es als Kompliment, dass dein Artikel sehr viel angeregt hat und ich beim Lesen an vielen Stellen mit dem Kopf genickt und "yep" gesagt hab.

Liebe Grüße, Rabea

weisst du, selbst wenn man fast 30 jahre geschuftet hat und dann ab 40 am arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht wird, der staat dich um die arbeitslosenhilfe betrogen hat, dir alle ersaprnisse einkassiert hat bevor du überhaupt nur ein anrecht auf hartz 4 hast, wenn sie dich also von vorne bis hinten, von oben bis unten ausgesaugt haben, dann landest du in der altersarmut. und das beste daran ist, jeder darf dich frei beschimpfen. wow. es hat sich wirklich nicht gelohnt zu leben.
es tut mir in der seele weh, wenn ich daran denke, wie liebevoll meine mutter mich grossgezogen hat. und wie vielen ( entschulige bitte) arschlöchern man im laufe seines lebens begegnet.
ich habe aufgehört an das gute im menschen zu glauben.
in den firmen wird gemobbt, was das zeug hält. jeder gegen jeden. es ist unfassbar. man kann sich sein leben lang anpassen um am ende doch im „nichts“ zu landen.

achte gut auf dich! suche dir bitte bitte ein vertrauensvolles liebeswertes und wohlwollendes umfeld.
verschenke dich nicht an die konzernriesen- die zerpflücken dich wie sie es gerade brauchen. und danach schmeissen sie dich raus.

ich wünsche dir das große glück an die richtigen menschen zu geraten.

alles liebe.

Liebe Autorin,
ich habe gerade Deinen Artikel in der SZ gelesen. Vielen vielen Dank dafür!!!! Mir geht es ähnlich wie Dir. Ich bin die Erste aus meiner Familie mit Abitur und habe mein Studium mit 1,9 abgeschlossen, mit allen dazu gehörigen Unsicherheiten und Komplexen. Neben dem Studium habe ich mich um meine psychisch kranke Mutter gekümmert und natürlich gearbeitet. Deshalb war ich z.B. nicht im Ausland, die Gründe dafür kann ich aber natürlich bei keinem Stipendiengeber und keinem Bewerbungsgespräch nennen.
Ich promoviere, habe aber keine Unistelle und trotz langjährigem politischem Engagement kein Stipendium bei einer politischen Stiftung bekommen. Jetzt arbeite ich neben der Promotion im Kulturmanagement und als Lehrbeauftragte (mit ALG 2 Aufstockung, na klar). Ich organisiere politische Veranstaltungen, halte Vorträge und bilde mich weiter. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als diesen einen Moment, in dem ich das Gefühl habe, dass ich meiner Qualifikation und meinem Engagement ANGEMESSEN lebe. Dabei will ich das, was alle wollen: einen erfüllenden Job und genug Geld zum Leben.
Ich habe so viel in meinem Leben geschafft, dass die Aussicht, ich könnte am Zufall der Geburt scheitern, nicht auszuhalten ist. Ich merke, dass ich mich verändert habe. Ich bin so oft wütend und bitter, und ich weiß auch, dass gut gelaunte Menschen bessere Chancen haben. Und ich kann mit kaum jemandem wirklich sprechen, weil ich mich in Kreise vorgearbeitet habe, in denen niemand meine Bildungsbiografie teilt.
Langer Rede, kurzer Sinn: Dein Artikel hat mir sehr sehr gut getan, Du hast mir aus der Seele geschrieben! Du bist nicht allein und ich drücke Dir alle Daumen, dass Du erreichst, was Du Dir vornimmst!
Dass Geschichten geteilt werden ist immer ein erster Schritt zur Veränderung. Und verändern müssen wir!!!
Solidarische Grüße!

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