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Metalheads 1: Breaking the Law

Metalheads 1: Breaking the Law published on 12 Kommentare zu Metalheads 1: Breaking the Law

Metalheads-Logo

Breaking the Law

There I was completely wasting, out of work and down
all inside it’s so frustrating as I drift from town to town
feel as though nobody cares if I live or die
so I might as well begin to put some action in my life

Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law

So much for the golden future, I can’t even start
I’ve had every promise broken, there’s anger in my heart
you don’t know what it’s like, you don’t have a clue
if you did you’d find yourselves doing the same thing too

Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law
Breaking the law, breaking the law

You don’t know what it’s like

Judas Priest (1980)

A touch of evil

Als männliche Homosexualität im Jahre 1968 in England legalisiert wurde, war Rob Halford 17 Jahre alt. Für die Nicht-Metalheads da draußen: Rob Halford ist der Frontman der britischen Band Judas Priest, welche ihrerseits als erste echte Heavy Metal Band überhaupt gilt, da sie die fundamentalen Elemente des Classic Metal festlegte. Diese bestehen im Wesentlichen aus opernartigem, virtuosem Tenorgesang kombiniert mit einer spezifischen Klangfarbe der Gitarren, welche durch starke Verzerrung vor allem die Ober- und Unterfrequenzen betont. Um die Wirkung noch zu verstärken, wird das Ensemblespiel der Gitarren zumeist parallel geführt. Damit trotz des stark verzerrten Sounds die Kontrolle über die Pulse behalten bleibt, kommt die Palm-Mute-Technik zum Einsatz. Kurz gesagt: Es geht um die Erzeugung eines möglichst bombastischen, brutalen Sounds, der jedoch durch den Einsatz verschiedenster musikalischer Mittel immer streng kontrolliert wird.

Judas is rising

Doch damit nicht genug. Judas Priest waren nicht nur musikalisch stilbildend, sondern prägten auch den über Jahre gültigen und teilweise bis heute wirksamen „Dresscode“ des Heavy Metal, bestehend aus schwarzem Leder, Nieten und viel nackter Haut. Was lange Zeit niemandem auffiel: Diese Outfits stammten aus der Homosexuellenszene, insbesondere der schwulen SM-Szene. (Achtet bei der Liveaufnahme von „Breaking the Law“ doch mal auf die Handschellen an Rob Halfords Gürtel. 😉 )

Judas_Priest

Die schwule Lederszene, deren Insignien bald auch von der Lesbenszene aufgegriffen wurden, ging ihrerseits aus der Motorrad-Subkultur hervor. Das Motorrad wiederum ist ein fester Bestandteil der Bühnenshows von Judas Priest. Rob Halford fährt damit auf die Bühne, posiert und gibt – lasziv an den Lenker gelehnt – die Zugabe Hell Bent for Leather. (Falls ihr Lust habt: Hier findet ihr ein vollständiges Konzert von 1984 samt Zugabe.) Doch obwohl sowohl die Bühnenshow als auch die Texte der Band deutliche Anspielungen auf homosexuelles Begehren enthielten, sollte es noch bis 1998 dauern, bis der inzwischen 47-jährige Rockstar als erster Heavy-Metal-Musiker überhaupt öffentlich über seine Homosexualität sprach.

 

„I think that most people know that I’ve been a gay man all of my life, and it’s only been in recent times it’s an issue that I feel comfortable to address … something that I feel has a moment, and this is the moment to discuss it.“

„Ich glaube, die meisten Leute wissen, dass ich schon mein ganzes Leben lang ein schwuler Mann bin, aber erst seit kurzem fühle ich mich wohl dabei, dieses Thema anzusprechen…. etwas, von dem ich glaube, dass es einen Zeitpunkt hat und jetzt ist der Zeitpunkt, um darüber zu reden.“

– Rob Halford, 1998

Living after Midnight

Spätestens seit dem Coming Out des Sängers werden die Texte der Band allgemein auch als subversive Anspielungen auf homosexuelles Begehren verstanden; im Subtext war diese Bedeutungsebene allerdings von Anfang an vorhanden. So erzählt der Song „Breaking the Law“ eben nicht nur die Geschichte einer freiwilligen Gesetzesübertretung, sondern auch die Tragödie und das trotzige Aufbegehren all jener, deren Sexualität gegen die Regeln verstößt – egal ob es sich dabei um geltendes Recht oder gesellschaftliche Konventionen handelt.

Dieses automatische Wahrnehmen des Subtextes ist übrigens typisch für Angehörige der Queer-Community. Der Grund dafür ist einfach: Es geht gar nicht anders. Bis heute gibt es kaum Darstellungen von queeren Lebensrealitäten. Wenn deine eigene Geschichte aber nie erzählt wird, bleibt dir nichts anderes übrig, als auf Subtexte auszuweichen. So mag beispielsweise der Song „Living after Midnight“ auch für straighte cis-Jugendliche ansprechend sein, die darin die Beschreibung einer gelungenen Disco-Nacht erkennen. All jene aber, die ein Doppelleben führen müssen und deren „wahres Leben“ deshalb erst nachts und heimlich in einer verborgenen Community beginnt, können in Textzeilen wie „I come alive in the neon light“ ihre eigene Geschichte erkennen.

Hell bent for Leather

Die BDSM-Szene, aus der Rob Halford die Insignien des Heavy Metal entlehnte, ist eine Subkultur, die bis heute als so anrüchig gilt, dass selbst heterosexuelle Praktizierende ihre Neigung für gewöhnlich geheimhalten. Kritik am BDSM kommt dabei aus den verschiedensten Richtungen. Auch manche feministische Strömungen weisen teils vehement darauf hin, dass beim BDSM Herrschaftsverhältnisse reproduziert würden, was eine selbstbestimmte weibliche Sexualität angeblich ausschließe. Was die Kritiker_innen dabei aber oft übersehen: BDSM basiert auf klaren Regeln und Absprachen und ist absolut consensual. Es geht nicht um die Ausübung von Gewalt, sondern lediglich um ein Spiel mit Illusionen. (Hier gibt es übrigens einen sehr lesenswerten Artikel zu BDSM, weiblicher Sexualität und Feminismus auf Kleinerdrei.)

So gesehen verwundert es nicht, dass eine der Wurzeln des Metal im BDSM liegt. Denn auch, wenn es nach außen hin manchmal etwas brachial aussieht: Beim Metal geht es nicht um Gewalt, sondern um die Illusion von Gewalt, die durch das Einhalten strenger Regeln kontrolliert und kanalisiert wird, so dass sie einen empowernden Safe Space bildet. Und genau dieser Safe Space kann eine gedankliche Zuflucht für alle jene sein, die sich in der „normalen Welt“ nicht so richtig zu Hause fühlen. Darunter möglicherweise auch Rob Halford, der auf der Bühne die Codes einer Sexualität abfeiert, die bis heute in vielen Ländern kriminalisiert wird.

Lesetipp:

Wer sich hauptsächlich für Heavy Metal als Musik interessiert, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt:

Dietmar Elflein: Schwermetallanalysen. Die musikalische Sprache des Heavy Metal. Bielefeld 2010.

12 Kommentare

Sehr interessant finde ich auch den Sammelband Nohr/Schwab: Metal matters – Heavy Metal als Kultur und Welt (http://www.amazon.de/Metal-Matters-Heavy-Kultur-Welt/dp/3643110863)

Ich habe mich auch in meiner Diplomarbeit mit dem Thema beschäftigt, dabei ist mir insbesondere der Song „Raw Deal“ aufgefallen, wird z.B. hier besprochen: http://www.invisibleoranges.com/2011/11/rob-halfords-raw-deal/

Hat nur leicht was damit zu tun aber ich kann nicht oft genug auf das Stück von Steve Hughes aufmerksam machen, wo er sich über homophobie (in dem Fall in der Metal-Szene) lustig macht https://www.youtube.com/watch?v=h5VliEjyohM

Hallo Julian,

Danke für deinen Kommentar und den Link. 🙂

Der Auftritt hat bei mir allerdings gemischte Gefühle ausgelöst. Einerseits hab ich sehr gelacht, andererseits finde ich es schade, dass Steve Hughes im Rahmen seines Programms teilweise homophobe Slurs reproduziert.

Liebe Grüße
Wildfang

[…] Metal Musik zeichnet sich oft durch weißes hetero Mackerverhalten aus. In der neuen Reihe “Metalheads” auf “Der k_eine Unterschied” wird nach Brüchen und Subversivem im Metal gesucht. Der erste Teil behandelt Judas Priest und schwules Begehren. […]

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